Florian Gessler
Graz, Komponist
geb. 1972, lebt und arbeitet in Graz (A).
Werkauswahl -
Meine Lieblingswortzusammenstellung. Lied nach einem Text von Thomas Bernhard (UA) (2003)
Meine Lieblingswortzusammenstellung
nach: “Verstörung” von Thomas Bernhard
Meine Lieblingswortzusammenstellung
"... Übrigens", sagte der Fürst (der folgende Text von Thomas Bernhard wurde auf Wunsch von Florian Geßler unkenntlich gemacht).............,
"die Kunst zuzuhˆren ist beinahe ausgestorben. An Ihnen, Doktor, beobachte ich diese Kunst aber noch." Als ihn mein Vater das letztemal besucht hatte, hatte der Saurau immer das Wort "Liniengewirr" gesagt, alles sei dem F¸rsten ununterbrochen "ein Liniengewirr" gewesen. "In meinem Kopf ist ein Liniengewirr", habe er zu meinem Vater gesagt. Er spreche immer mit Wˆrtern, die eigentlich gar nicht mehr existieren. "Die Wˆrter, mit welchen wir sprechen, existieren eigentlich gar nicht mehr", sagte der Saurau. "Das ganze Wortinstrumentarium, das wir gebrauchen, existiert gar nicht mehr. Aber es ist auch nicht mˆglich, vollst‰ndig zu verstummen. Nein", sagte er. In dem Augenblick, in welchem er mit uns von der innern .............
mp: herr geßler, dies ist ihre erste "textgebundene" komposition...
fg: und die hat mir in der tat einiges kopfzerbrechen bereitet. zuerst beim durchkämmen der zeitgenössischen dichtung, da waren viele schöne sachen dabei, die ich aber unmöglich verwenden konnte...
mp: warum?
fg: die gedichte, die mir gut gefielen, waren durchwegs so dicht und "in sich geschlossen", dass "musik" irgendwie überflüssig wäre. das alte problem... und so bin ich ganz beim fürsten ("das poetische ist mir verdächtig") und seinem wahn, hab mich dann einfach bei meinen lieblingsschriftstellern arno schmidt und thomas bernhard umgeschaut... was kann/soll/darf denn eine "textgebundene" komposition überhaupt?... ich bin von einer gesamtatmosphäre des textes (die ganze "rede" des fürsten erstreckt sich immerhin über 120 seiten) ausgegangen, ... und da kommt man halt drauf, dass da einer ein ganzes buch lang abwechselnd auf der innern und der äußeren burgmauer herumrennt und ununterbrochen spricht, sich immer weiter in seinen wahn hineinsteigert und dabei so g'scheite sachen sagt, aber man merkt dann doch, dass er eigentlich vollkommen spinnt! naturgemäß kann man heute keine vertonung mehr machen, also in dem sinne, dass die musik da irgendwie auf ein wort reagiert... das ist ja alles vollkommen lächerlich: da singt einer von blumen und das klavier trällert dazu, ein vollkommener blödsinn...
mp: ist das nicht ein bißchen rigoros?
fg: naja, bei mir trällert das klavier ja auch... aber eben nicht als untermalung oder illustration...
mp: wird der text also einfach mit der musik konfrontiert?
fg: die singstimme, und damit der text ist ja komponiert, aber eben nicht "vertont", die klavierstimme ist eigentlich - möchte fast sagen - "kontrapunktisch" dazu gearbeitet...
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