Ricardo Zohn-Muldoon
Rochester, Komponist
Ricardo Zohn-Muldoon
wurde 1962 in Guadalajara, Mexiko, geboren. Er vervollständigte seine musikalischen Studien in den USA, wo sein wichtigster Lehrer George Crumb war. Charakteristisch für seine Musik ist das Herausarbeiten von konzisen musikalischen Ideen, die sich kaleidoskopartig in Texturen extremer Farben- und Rhythmuskraft auflösen.
Seine Musik wurde von zahlreichen internationalen Festivals ausgewählt u.a. Gaudeamus (Holland), die ISCM World Music Days (Rumänien, Mexiko), Foro de Música Nueva (Mexiko)
Momentan ist er Stipendiat des "Sistema Nacional de Creadores de Arte" von Mexiko. Weitere Ehrungen u.a. Stipendium der Guggenheim Foundation, des Tanglewood Music Centers, des Fondo Nacional para la Cultura y las Artes (Mexiko), der Camargo Foundation (Frankreich).
Er unterrichtete an der Musikschule der Universität von Guanajuato und dem College-Conservatory of Music von Cincinnati. Seit dem Herbst 2002 ist er Mitglied der Fakultät der Eastman School of Music.
Kontakt http://www.rochester.edu/Eastman/html/recentnews/zohn-muldoon.html
Werkauswahl -
NinoPolilla (UA). Oper von Juan Trigos S. (Text) und Ricardo Zohn-Muldoon (Musik) (2003)
Ricardo Zohn-Muldoon über NiñoPolilla und seine Musik im Allgemeinen
Meine Musik ist stark der Literatur verpflichtet. Die Atmosphäre, die Farben, die Bilderkraft und Struktur eines Textes entsprechen auf allen Ebenen meinem kreativen Schreibprozess – sie haben einen enormen Einfluss auf die Formung meiner musikalischen Sprache.
In den letzten Jahren arbeitete ich an einer Reihe von Arbeiten die auf der Novelle "Pedro Páramo" des großen mexikanischen Autoren Juan Rulfo basierten. Diese Novelle steht für alle künstlerischen Qualitäten, die ich schätze: starker emotionaler Gehalt, Ideen voll destillierten Ausdrucks, leuchtende Imagination und eine Technik die so verfeinert wurde, dass sie "aus dem Blick verschwindet“. So inspirierend Rulfos Werk auch für mich war: Ich wusste, daß ich in eine neue Richtung aufbrechen musste.
Diese Gelegenheit ergab sich unerwarterweise, als mich Moritz Eggert für das Projekt "The last days of V.I.R.U.S." um einen Beitrag bat. Ich wusste, daß ich für eine solche Kollaboration einen ganz speziellen Autoren brauchte, einen Autor, dessen Phantasie und Gespür bei dem vorgegebenen Thema auf fruchtbaren Boden fallen würden. Sofort dachte ich an Juan Trigos, der zu den originellsten Stimmen der mexikanischen Gegenwartsliteratur zählt. Ich war überglücklich, als er zusagte, und noch glücklicher, als ich seinen ersten Entwurf für "NiñoPollilla“ erhielt.
NiñoPolilla
NiñoPolilla ist eine lustige aber makabre Geschichte, urmexikanisch im Ton, dennoch voll von universeller thematischer Resonanz. Die Mißhandlung von Kindern aufgrund der Besessenheit von einer bestimmten Moralvorstellung ist von besonders aktueller Relevanz. Man kann darin eine starke Kritik an der Fähigkeit einer Autorität sehen, die ihre gefährliche Macht für Ungerechtigkeiten mißbraucht.
NiñoPolilla wird in einer sehr einfallsreichen Sprache erzählt, die typisch für Juan Trigos’ Werk ist. Worte werden auf unkonventionelle Weise miteinander verbunden und unmerklich verändert, um neue Bedeutungen zu evozieren; eine Technik, die nah am musikalischen Diskurs ist.
Juan Trigos
wurde 1941 geboren und ist ein herausragender mexikanischer Autor, dessen Werk die reiche Tradition des kolonialen Mexiko wiederspiegelt. Seiner Leidenschaft für Horrorliteratur folgend, kreierte er ein neues literarisches Genre, das er "Hemoficción" nennt („blutige Fiktion“). Trigos behauptet, daß Universalismus eine mögliche Wurzel für künstlerischen Rassismus ist. Seine Erzählkunst folgt daher eher dem Erwachen der regionalen eingeborenen animistischen Traditionen. Seine Werke werden durch den Verlag "Fontamara Popular" veröffentlicht.
|